Sprachförderkonzept

 

 

Ausgangssituation

Bezugnehmend auf den Erlass zur Förderung von Bildungserfolg und Teilhabe von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache v. 01.08.2014 und die Rahmenrichtlinien für Deutsch als Zweitsprache bildet es unser Hauptanliegen, alle betroffenen Schülerinnen und Schüler individuell und durchgängig, d.h. solange es als erforderlich angesehen wird, intensiv zu fördern und sie beim Erwerb sprachlicher Fähigkeiten möglichst weitgehend zu unterstützen. Ziel wird sein, einen angestrebten Schulabschluss ohne sprachliche Nachteile erreichen zu können. Dabei muss zunächst auch ein Augenmerk auf den jeweils erreichten Alphabetisierungsgrad gelegt werden.

Gegenwärtig (November 2016) sind 49 Schülerinnen und Schüler an unserer Schule angemeldet, deren mangelnde Sprachkenntnisse eine erfolgreiche Teilnahme am Unterricht unmöglich machen. Die Situation macht es erforderlich, mehrere Sprachlernklassen auf jeweils unterschiedlichem Niveau einzurichten.

 

Die Arbeit in der Sprachlernklasse

Kinder mit geringen Sprachkenntnissen werden an unserer Schule in insgesamt drei speziellen Sprachlernklassen unterrichtet. Dabei geht es hauptsächlich um Spracherwerb, aber auch um die Vermittlung von Arbeitstechniken, Sozialformen, Fachwissen sowie die Entwicklung sozialer, methodischer und auch interkultureller Kompetenzen. Während der normalen Unterrichtszeit findet gesondert der Sprachunterricht in der Sprachlernklasse statt. In dieser werden zwischen 10 und 16 Schülerinnen und Schüler unterschiedlicher Jahrgänge zusammengefasst und gemeinsam unterrichtet. Neben dem mündlichen Spracherwerb wird auch das Beherrschen der Schriftsprache gefördert. Kinder aus einem Herkunftsland, in dem nicht das lateinische Alphabet verwendet wird, müssen auch dieses erlernen.

Sinnvoll ist es dabei, den Unterricht der Sprachlernklasse teilweise auch im verpflichtenden Bereich des teilgebundenen Nachmittagsbetriebs zu erteilen, denn in den Oberschuljahrgängen werden zu dieser Zeit die Projektfächer und das Lerntraining unterrichtet. Der Besuch der Sprachlernklasse dauert in der Regel bis zu einem Jahr, kann aber bei Bedarf verlängert werden. Inhaltlich liegt ihm der Lehrplan ‘Deutsch als Zweitsprache’ zu Grunde. Sofern die Vermittlung fachlicher Inhalte anderer Fächer betroffen ist, orientiert sich diese an den jeweiligen Kerncurricula. Dabei ist insbesondere an Unterricht in den Fächern Mathematik und Englisch gedacht, der in den Sprachlernklassen mit der üblichen Wochenstundenzahl von Fachlehrern erteilt wird. Ergänzend wird, je nach sprachlichen und schulischen Möglichkeiten, Unterricht in weiteren Fächern angeboten. Dabei ist insbesondere auch an Sport und an die Fächer aus dem Bereich der musisch-kulturellen Bildung gedacht. Außerdem sind im Rahmen von jeweils einer Lerntrainingsstunde pro Woche Techniken zur Bewältigung allgemeiner schulischer Anforderungen zu erlernen. Hierunter fallen insbesondere etwa die Mappenführung und das Erlernen und Einüben basaler Arbeitstechniken. Bei nicht (oder nicht ausreichend) alphabetisierten Kindern verlagert sich der Fokus entsprechend. Angestrebt ist hier der Einsatz einer zusätzlichen Kraft (Erzieher/in), der die Komplexität der zu bewältigenden Aufgabe deutlich verringern würde. Ein/e Erzieher/in könnte in Zusammenarbeit mit der Sozialpädagogin darüber hinaus wichtige weitergehende pädagogische Maßnahmen außerhalb des Unterrichts im Rahmen des schulischen Umfelds begleiten.

Der Unterricht in den Sprachlernklassen findet auf drei Niveaustufen in drei Klassen statt. Die Schülerinnen und Schüler werden entsprechend der unten näher erläuterten Verfahren einer der Klassen ‚Basisklasse I‘, ‚Basisklasse II‘ oder ‚Fortgeschrittenenklasse‘ zugeteilt. Es gibt jeweils eine/n Klassenlehrer/in, der oder die durch Fachlehrer/innen unterstützt wird. In der ‚Basisklasse I‘ werden auch die zu alphabetisierenden Kinder beschult. Mittels regelmäßiger mündlicher und schriftlicher Überprüfung wird der Übergang in die nächsthöhere Stufe durch das Klassenteam nach Absprache mit der Schulleitung festgelegt. In der ‚Fortgeschrittenenklasse‘ ist ein sehr hohes Maß an Flexibilität gefragt, da hier bereits die Möglichkeit der zeitweisen Beschulung in einer Regelklasse als Testverfahren möglich ist. Unterstützt wird diese Flexibilität durch unsere langjährigen Erfahrungen im Bereich der integrativen Beschulung und insbesondere auch des KmE-Schulzweigs (s. unser KmE-Konzept).

Die Schülerinnen und Schüler unserer Sprachlernklassen werden mindestens fünf Stunden täglich beschult. Die Stundenpläne der Klassen sind Teil der üblichen Stundenplanung, da neben den Klassenlehrerinnen und -lehrern auch Fachlehrkräfte eingeplant werden müssen. Die momentan benötigten Räumlichkeiten sind vorhanden, wobei je nach Klassenstärke Raumwechsel möglich sind. Für die passende Ausstattung sind Gespräche mit dem Schulträger geführt worden. Soweit möglich, nehmen die Sprachlernschülerinnen und -schüler am Schulleben teil, was insbesondere Ausflüge, Feiern sowie Sportfeste betrifft. Die Regelungen über eine eventuelle Sprachfeststellungsprüfung gem. NLSchB, ‘Leitfaden für die Durchführung von Sprachfeststellungsprüfungen’ sind zu beachten.

 

Verfahren

Neue Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunft werden zunächst im Rahmen eines Aufnahmegesprächs hinsichtlich ihres Kenntnisstandes und ihres schulischen Werdeganges überprüft. Erscheint die Zuweisung zu einer Sprachlernklasse geboten, so erfolgt mittels der einschlägigen Diagnoseverfahren in Abstimmung mit den Deutschlehrkräften eine genaue Einschätzung des Bedarfs. Lese- und Textverständnis, Wortschatz, Satzbau und Grammatik sowie Rechtschreibung werden entsprechend getestet. Hierfür stehen u.a. zur Verfügung: 1. ‘Neu in Deutschland – Sprachkenntnisse und Lernvoraussetzungen ermitteln’ (Klett, Stuttgart 2005), 2. Hinweise lt. SVBl 1/2006 (‘Verfahren zur Feststellung der deutschen Sprachkenntnisse bei neu einreisenden Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache’), 3. ‘Diagnostik & Förderung – leichtgemacht: Deutsch als Zweitsprache’ (Klett, Stuttgart 2012).

Bei Kindern mit guten Vorkenntnissen, die dementsprechend einer Regelklasse zugeteilt werden, entspricht diesem Vorgehen die Teilnahme an der üblichen Lernstandserhebung, die zur Erstellung eines individuellen Förderplans führt. Der anzustrebende Zustand ist dabei die weitergehende Förderung nach Maßgabe der für alle Schülerinnen und Schüler üblichen Dokumentation der individuellen Lernentwicklung mit entsprechendem Förderplan. Somit sind dann die Sprachlernschülerinnen und -schüler Teil des gewöhnlichen Verfahrens geworden, womit noch einmal die Bedeutung der möglichst weitgehenden Integration in den normalen Schulalltag betont wäre.

Für Kinder mit bereits guten Vorkenntnissen in der deutschen Sprache, deren Wortschatz und/oder Grammatik aber noch keinen erfolgreichen Schulbesuch erwarten lassen, findet additive Sprachförderung in jedem Fach in allen Jahrgängen statt. Sie zeichnet sich im Wesentlichen durch Sprachsensibilität aus. Alle Kolleginnen und Kollegen sind gehalten, Hilfestellungen im Hinblick auf den Wortschatz und die grammatikalischen Fähigkeiten zu geben. Wir arbeiten kontinuierlich daran, das Vorgehen aller Kolleginnen und Kollegen bei der Sprachförderung unserer Schülerinnen und Schüler durch Fortbildungen und entsprechende Konferenzbeschlüsse zu systematisieren und zu einheitlichem Vorgehen zu gelangen. Des Weiteren nehmen die Schülerinnen und Schüler mit guten Vorkenntnissen am normalen Deutschförderunterricht ihrer Jahrgänge entsprechend unserem Förderkonzept teil.

 

Abschließend ist zu bemerken, dass derzeit bereits ein Kollege an der einschlägigen Qualifizierungsmaßnahme teilnimmt und zwei weitere entsprechend ausgebildete Kolleginnen mit einem Teil ihres Stundendeputats für den Unterricht in der Sprachlernklasse zur Verfügung stehen. Die ‘Beratungs- und Unterstützungsstelle Interkulturelle Bildung’ wurde kontaktiert und in den konzeptionellen Prozess einbezogen. Wir sind Teil der ‚Professionellen Lerngemeinschaft Sprachlernklassen Wilhelmshaven‘ mit Unterstützung durch die Landesschulbehörde.

 

Stand: November 2016