Zur Geschichte der Schulen

[Stand: Schuljahr 2016/2017]

 

Die Realschule Agnes-Miegel-Schule  und die Hauptschule Nogatstraße wurden gegründet im historischen Kontext der Stadtentwicklung des Stadtteils Fedderwardergroden von Wilhelmshaven. Dort erinnert vieles an die ehemaligen deutschen Ostgebiete – insbesondere an Ostpreußen. Abzulesen ist dies an Straßennamen ebenso wie an den Namen der Schulen; neben den schon genannten seien die Schule Albrechtstraße und Salzastraße erwähnt.

Die Entstehung der Agnes-Miegel-Schule in Wilhelmshaven geht zurück in das Jahr 1954, in eine Zeit, in der das Schulwesen der Stadt Wilhelmshaven noch unter den Folgen des 2. Weltkrieges litt. Die damals Verantwortlichen setzten großes Vertrauen in die Zukunft, und so las man im Jahresbericht der damaligen Mittelschule für Jungen, der heutigen Freiherr-vom-Stein Schule, über das Jahr 1954/55:
“Der Rat der Stadt Wilhelmshaven hat im Einvernehmen mit der Oberschulbehörde die Einrichtung einer dritten Mittelschule für die nördlichen Außenbezirke der Stadt

(Fedderwardergroden, Altengroden, Himmelreich, Coldewei, Rüstersiel und Voslapp) beschlossen.” Es galt, die Benachteiligung der Schüler im Stadtnorden zu beseitigen.

Gestützt auf den Ratsbeschluss, verlagerte die Mittelschule für Jungen zu Beginn des Schuljahres 1955 zwei ihrer neu aufgenommenen fünften Klassen nach Rüstersiel. Sie wurden gebildet aus Mädchen und Jungen aus dem Stadtnorden, die bei den vorhandenen Mittelschulen angemeldet worden waren. Gemeinsam mit der Volksschule Rüstersiel wurden sie in einem Gebäude des damaligen Hochschuldorfes untergebracht. Sie bildeten noch keine selbständige Schule, sondern blieben der Mittelschule für Jungen angeschlossen.

Nach den Sommerferien 1957 konnten die 178 Schülerinnen und Schüler mit ihren nunmehr sechs Lehrern in das Gebäude der damaligen evangelischen Volksschule Nogatstraße umziehen, das durch den Trakt für die katholische Volksschule erweitert worden war.

Dank des Verständnisses aller Beteiligten entwickelte sich ein gutnachbarschaftliches Verhältnis, so dass die Jahre bis zur Erstellung des neuen Schulgebäudes an der Warthestraße eine schöne und für die innere Entwicklung und Stabilisierung der Schule fruchtbare Zeit wurden. Auf Beschluss des Rates der Stadt vom 18. 2. 1959 erhielt die Mittelschule den Namen “Agnes-Miegel-Schule”.

Am 14. 3.1962 erfolgte die Grundsteinlegung, am 9. 5. 1963 war das Richtfest, am 20. 4. 1964 wurden alle Gebäudeteile mit einer festlichen Einweihung ihrer Bestimmung übergeben. 1966 wurde in vertretbarer Entfernung vom Schulgrundstück eine schuleigene Sporthalle mit Turnhalle und Gymnastikraum erstellt. Inzwischen war die Schule längst Realschule geworden.

Im Jahr 2004 wurden umfangreiche Renovierungsarbeiten am Hauptgebäude abgeschlossen, in deren Rahmen alle Fenster erneuert und die Dächer saniert wurden. Zudem erfolgten moderne, effektive Maßnahmen zur Wärmedämmung sowie der Neuanstrich der Fassaden. Nach Auflösung der Orientierungsstufe Salzastraße wurde das Gebäude dort der Realschule zugeschlagen. Die Räumlichkeiten dort werden vor allem als Klassenräume genutzt.
Mit Agnes Miegel wurde seinerzeit eine aus Ostpreußen stammende Namenspatronin gewählt, deren lyrischer Rang in der deutschen Literatur als herausragend galt und die als Person – zu Zeiten der Namensgebung der Schule Ende der 50er Jahre – unumstritten war. Diese Einschätzung hat sich im Laufe der letzten fünf Jahrzehnte verändert. Unsägliche, glorifizierende Oden auf Adolf Hitler aus der Feder Agnes Miegels sind mehr und mehr in den Blick genommen worden und haben Schatten auf das Gesamtwerk der Dichterin geworfen.

Mit Blick auf das Leitbild der Schule war Agnes Miegel als Namenspatronin nicht mehr darstell- und vermittelbar. Darüber hinaus hatte die Diskussion um den Schulnamen innerhalb wie außerhalb Wilhelmshavens eine Beschäftigung mit der vorzeigenswerten pädagogischen Arbeit der Schule in unangemessener Art und Weise in den Hintergrund gerückt.

Nach 50 Jahren unter dem Namen Agnes Miegel erfolgte mit dem Schuljahresbeginn im Jahre 2010 der Wechsel zu Marion Gräfin Dönhoff. Diese steht mit ihrem Lebenswerk wie kaum eine andere für Verständigung und Aussöhnung, für Toleranz und Demokratie, für die Freiheit des Denkens und des Wortes. Auch sie stammt aus Ostpreußen, fügt sich also ein in den erwähnten historischen Kontext. Auch sie ist eine Frau von hohem literarischem Rang.

Im Schulprogramm der Marion-Dönhoff-Schule spielte die Berufsorientierung eine bedeutende Rolle. Daneben ist es immer Anspruch gewesen, bei den Schülerinnen und Schülern soziale Verantwortung und politisches Engagement zu wecken. Stellvertretend dafür steht das verbindliche Sozialpraktikum im 8. Jahrgang, aber auch die enge Kooperation mit dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Neben der Beteiligung an den Haussammlungen im November haben immer wieder Schülergruppen die Kriegsgräberstätten in Lommel (Belgien) und Ysselsteyn (Niederlande) aufgesucht, um dort durch aktive Arbeit auf den Gräberfeldern Unterstützung zu leisten. Für den Ehrenfriedhof in Wilhelmshaven wurde eine Patenschaft übernommen. Schülerinnen und Schülern der Schule haben dort die Infotafel am Eingang gestaltet.

Die Hauptschule Nogatstraße wurde 1954 eingerichtet. Auch sie liegt im Norden der Stadt, im Stadtteil Fedderwardergroden. Auch hier verweist der Name auf die Verbundenheit mit den ehemaligen deutschen Ostgebieten. In den 70er Jahren bezog sie ein für die damalige Zeit und nach damaligen Ansprüchen modernes und bestens ausgerüstetes Schulzentrum.

Schwerpunkte in der pädagogischen Arbeit an der Hauptschule Nogastraße waren immer Integration, Berufsorientierung und Sport. Regelmäßig stattfindende Sportfeste boten und bieten eine gute Gelegenheit, die Zusammenarbeit behinderter und nichtbehinderter Schüler und Schülerinnen zu fördern. Dazu trägt auch die Sambagruppe bei, die zuletzt zu verschiedenen Anlässen in der Stadt begeisternde Auftritte absolvierte.

Für ihre Bemühungen um die Erprobung und Einrichtung eines möglichen neuen Unterrichtsfaches Erziehung wurde die Hauptschule Nogatstraße 2013 mit dem Hans-Beutz-Preis ausgezeichnet. Zu diesem Projekt ist aktuell ein Schulversuch beim Kultusministerium beantragt, der von der Universität Oldenburg unter der Federführung von Prof. Dr. Wolfgang Fichten wissenschaftlich begleitet wird.

In den Klassen des auslaufenden Hauptschulzweiges ist pro Jahrgang eine Integrationsklasse eingerichtet. Hier werden Kinder mit Behinderungen und Kinder ohne Behinderungen gemeinsam unterrichtet. Zum Ende des Schuljahres 1017/2018 wird die letzte Integrationsklasse den Schulzweig durchlaufen haben.

Im Schulzweig “Förderschule mit dem Schwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung” werden in je einer Klasse pro Jahrgang 5 – 9 Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen unterrichtet. Hier knüpft die Schule an die Arbeit an, deren Grundlagen von der GS Hafenschule während der vier Grundschuljahre begonnen wurde. Mit der Hafenschule besteht ein Kooperationsvertrag, der jedes Jahr neu mit Leben erfüllt wird.

Im K-Bereich ist inzwischen sehr erfolgreich eine Klasse 10 ins Leben gerufen worden, deren Schwerpunkt darin besteht, zielgruppenoptimiert Berufsorientierung zu betreiben. Partner bei dieser Arbeit sind die Berufsberatung des Jobcenters, die BBS Wilhelmshaven, das Bildungswerk der Niedersächsischen Wirtschaft , die Gesellschaft für paritätische Sozialarbeit sowie zahlreiche Firmen, die ihre Pforten für Erkundungen und Betriebsbesichtigungen geöffnet haben.

Sowohl die Hauptschule Nogatstraße als auch die Agnes-Miegel-Schule haben sich vor einigen Jahren der niedersächsischen Schulinspektion gestellt. Beide Schulen haben dabei sehr gut abgeschnitten. Die Entwicklung und Umsetzung der Schulprogramme, die pädagogische und fachliche Arbeit wurden  als vorbildlich und beispielhaft gelobt. Hier knüpft die Arbeit der Oberschule Nord an. Es soll und wird gelingen, das Beste aus beiden Schulen zusammenzuführen.

2013 erfolgte der Ratsbeschluss, anders als von beiden Schulen gewollt, schon zum 1. August 2014 die Oberschule Nord ins Leben zu rufen – verbunden mit der gleichzeitigen Aufhebung der Hauptschule Nogatstraße und der Marion-Dönhoff-Schule.

Dieser Neustart litt unter zwei Faktoren: Zum einen stand nur wenig Zeit für die notwendige inhaltliche und pädagogische Vorbereitung auf die neue Schulform zur Verfügung, zum anderen bestand die Notwendigkeit, die neue Schule an drei Standorten betreiben zu müssen. Dabei behinderte die räumliche Entfernung das schnelles Zusammenwachsen – bei den Schülern wie auch bei den Lehrkräften und Mitarbeitern. Vor allem die Reibungsverluste durch die permanenten Wechsel zwischen den Standorten waren enorm. Als der erwartete Beginn für den versprochenen Erweiterungsbau nach einem Ratsbeschluss im September 2015  verschoben wurde, kam es im Herbst zu massiven Protesten vor allem bei den Eltern und Schülern.

Anfang des Jahres 2016  kam dann der Vorschlag auf, im Zuge eines größeren „Gebäuderückens“ einen neuen Standort anzubieten: Die Oberschule Nord gibt die Standorte Warthe- und Salzastraße auf, um sich zum Schuljahr 2016/2017 mit allen Klassen im Schulzentrum Nogatstraße einzurichten, aus der zuvor die Förderschule Herbartschule auszieht. Dieser Plan wurde dann auch umgesetzt. Mit Beginn des Schuljahrs 2016/17 sind alle Klassen der Schule unter einem Dach am Standort Nogatstraße 1.

Aktuell umfasst die neu eingeführte Oberschule die Jahrgänge 5 bis 7.  In den Jahrgängen 8 bis 10 laufen jeweils der Haupt- und der Realschulzweig aus. Im KME-Zweig wird im zweiten Jahr eine 10. Klasse mit berufsorientierendem Schwerpunkt geführt. Im Sommer 2020 werden die ersten OBS-Abschlussklassen verabschiedet.

An der OBS Nord unterrichten Grund-, Haupt- und Realschullehrkräfte mit Förderschullehrern und –lehrerinnen zusammen. Über 70 Menschen sind in der Schule beschäftigt – Lehrkräfte, Erzieherinnen,  eine Sozialpädagogin, eine Ergotherapeutin, zwei Schulsekretärinnen, ein Schulassistent ein Schulhausmeister und ein Hausarbeiter. Die VHS als Betreiberin der Mensa und des Schulkiosks ist mit 6 Mitarbeiter(innen) vor Ort.

Ausgestattet mit dem neuen Schulgebäude haben sich die Perspektiven für die Schule in besonderer Weise verbessert. Deshalb gehen alle Beteiligten mit guten Gefühlen und großer Motivation in das neue Schuljahr.